Hyperfantastische Berliner Fußballgeschichten

FC Liria II - Kickers Hirschgarten II 12-2
Samstag, 23.08.2014 | Am Rodelbergweg | Treptow | 11. Liga | 10 Zs.

Zwei Tore, zwei Torhüter und ich irgendwo dazwischen. Der mir näher stehende Ballfänger des FC Liria wies augenscheinlich keine Anhaltspunkte fürs Kuriositätenkabinett auf. Nun gut, er war bereits etwas ergraut, aber vom Körperbau her, glich er eher dem Max Mustermann der Torhütergilde. Anders verhielt es sich bei seinem Gegenüber. Die Entfernung zwischen mir und ihm war zwar beträchtlich, doch um die große Lücke zwischen seinem Kopf und der Latte festzustellen, reichte meine natürliche Sehstärke noch aus. Max Neumann, wie schön, dass fussball.de den Amateurfußball mittlerweile entanonymisiert hat, hätte für eine namentliche Durchschnittlichkeit nur sein „Neu“ in ein „Muster“ tauschen müssen. Zur sportlichen Durchschnittlichkeit fehlte in den folgenden 90 Minuten aber allerhand…

Sein Start ins Spiel verlief – vorsichtig ausgedrückt – holprig. Ein Freistoß, ohne sonderlich viel Wums, Bums und Effet, dafür knapp unterhalb der Latte platziert, schlug ohne Beeinträchtigung seiner Flugkurve ins Netz ein. Es war nun nicht so, dass Max keinen Abwehrversuch startete, den Ball vielleicht unterschätzt hatte oder gar überrascht wurde. Nein, er sprang zu richtigen Zeit hoch, streckte auch, wie es von professionellen Einser im Fernsehen zu sehen ist, seine Arme in die Höhe, ja, es schien fast so als ob er verzweifelt versuche an Höhe und Größe zu gewinnen – letztendlich flog er aber unter dem Ball hindurch. Normalerweise zeichnen sich kleinere Torhüter wie Uwe Kamps oder Jorge Campos durch enorme Sprungkraft aus, davon schien Max aber befreit worden zu sein. Die Zwote von Liria kannte auch kein Mitleid oder machte irgendeinen Bonus geltend, der kleineren Menschen manchmal zu Gute kommt. Im Zehn-Minuten-Takt schlugen haltbare Bälle in die Maschen ein.

Die zweite Halbzeit verlagerte das Spielgeschehen nun endlich auf meine Seite und bot mir die Möglichkeit bei den Dia- und Monologen der Hintermannschaft der Hirschgartener Mäuschen zu spielen. Nun sah ich erst, wie blutjung Max noch war. Vielleicht war es sein erstes Spiel bei den Herren, vielleicht war er einfach nur aufgeregt und würde nun von Minute zu Minute an Sicherheit gewinnen. Doch noch bevor ich diese Eventualitäten mildernd geltend machen konnte, ging es weiter wie zuvor. Von Schuldeigengeständnissen oder ähnlichem, war er genauso befreit wie vom Können. 

Als nach einem der wenigen Gästeangriffe ein Abseitspfiff ertönte, polterte Max los. Seiner Ansicht nach unterband der Schiedsrichter ständig gute Chancen der Hirschgartener während auf der anderen Seite die Heimspieler einen Persilschein ausgestellt bekommen hatten. Irgendwann wurde es dem eigenen Kapitän Sebastian Haacke zu bunt und er forderte seinen Mit- oder eher Gegenspieler auf „nicht zu nerven“. Er sollte doch nicht unterschlagen, dass es 1 zu 8 stand und der Unschuldigste der vermeintlich Schuldigen der Schiedsrichter sei. Max gab nicht klein bei und antwortete, dass fünf Tore aber regelwidrig erzielt worden waren. Nun wurde ein Nebenkriegsschauplatz eröffnet. Vor jedem Abstoß bat der Kapitän Max doch kurz zu spielen, um einen Aufbau zu ermöglichen. Dem „Wieso?“ folgte dann meist ein weiter Abschlag direkt zum Gegner und ein neue Angriffswelle.

Nach dem 2 zu 12, Max zeigte bei diesem Gegentreffer gar keinen Aktionismus mehr und ließ sich stillstehend umkurven, bölkte  ihn der Kapitän an, dass, wenn er keinen mehr Bock habe, auch gleich nach Hause gehen könne. Konnte er dann auch – Schlusspfiff. In den folgenden Spielen ersetzte ihn dann ein Stürmer im Tor. Max Neumann blieb auf fussball.de fortan ungenannt…