20. Mai 2026 // 1. FV Eintracht Wandlitz – FSV Schorfheide Joachimsthal 3:0
Teilzeit in der Vorsommerzeit ist für einen Lifestyle-Teilzeitisten mit dem Hang zur Sonnendurchflutung ein Glücksfall! Allerdings offenbarte der Blick gen Himmel, nicht ganz das, was ich erhofft und was die Prognosen versprochen hatten. Aber – nur die Harten kommen in‘ Garten und so packte ich meinen Astralkörper samt Rad am Südkreuz zunächst in die Regionalbahn, um beides in der alten Garnisonsstadt Prenzlau wieder auszupacken. Für militärhistorische Erkundungen blieb allerdings keine Zeit, lagen vor mir doch noch 130 Kilometer Groudcycling – der Schiedsrichter würde mit dem Anstoß des Barnimer Derbys ganz sicher nicht auf mich warten.
Die auf der Zugfahrt erspähten sanften Hügel der Uckermark präsentierten sich östlich des Unteruckersees gar nicht mehr so sanft; meine Muskeln jaulten, wie sonst wohl nur die hiesigen Wölfe zum Vollmond, aber in gut gewählter Dosis durchaus auch erstrebenswert. Vorbei an blühenden Rapsfeldwüsten und Windradfeldern rollte ich über nahezu perfektem Asphalt der Schorfheide entgegen. Und so sehr links und rechts der Strecke die Seen auch zum Plantschen einluden – das Wetter schlug die Einladungen aus.
Je näher ich meinem Ziel kam, desto waldiger, aber auch holpriger wurde der Weg; die Straßenqualität ließ eine kürzlich stattgefunden Panzerkolonnenfahrt vermuten. Auf halber Strecke und ganz kurz vorm Hungerast machte ich in Ringenwalde einen Mittagsstopp. Schnitzel und Spargel sowie die Bier-Premiere des „Choriner Zwickel“ vom Fass gaben Körper und Seele nötige Grundlage für den zweiten Teil der Tour. Kurz vor Abfahrt betraten dann noch zwei E-Bike-Rentner das Lokal. Als einer der beiden während des Speisekartenstudiums die Regenbogenflagge am Eingang bemerkte, war ihre Essensvorfreude dahin. „Wenn ich das sehe, wird mir schlecht.“ Karte zu und Abgang. Schade, die beiden verpassen einiges. Und das Essen wäre auch lecker gewesen.
Ein paar Minuten nach meinem Restaurantbesuch bot am ohnehin geplanten Quality-Time-Stopp am Großen Gollinsee eine Wolkenlücke tatsächlich die Chance des See- und Sonnenbads. Mit mir und der Welt völlig im Reinen traute ich am Ufer meinen Augen nicht; schlängelte sich doch irgendetwas Nicht-Fischiges auf der Wasseroberfläche. Meine erste, nicht ganz unwahrscheinliche Einschätzung, dass Lebensgefahr durch einen Anakonda-Angriff bestehen könnte, wurde mindestens durch „Brehms Tierleben“ gestützt. Der weltweit anerkannte Zoologe Dr. rer. nat. Google gab vermeintlich Entwarnung: Eine Ringelnatter hatte mich ins Visier genommen. Völlig ungefährlich. Angeblich. Aber was weiß die Wissenschaft schon; ich weiß doch, was ich gesehen, was ich gefühlt habe!
Nur wenige Kilometer weiter erblickte ich ein Hindernis auf meinem Weg. Irgendetwas stellte sich mir in den Weg. Mit jedem Meter konkretisierte sich mein Verdacht und wurde letztlich Gewissheit: Ein stattlicher Greifvogel bedeckte den Asphalt. Ein ehemals stattlicher Greifvogel, um genau zu sein. Noch mit einem Wurm im Schnabel lag der Mäusebussard alle Flügel von sich gestreckt auf der Straße. Nach vergiftetem Wurm sah das alles nicht aus, eher nach Autounfall mit Fahrerflucht. Alle Autofahrer sind Mörder.
In Zehdenick prüfte ich das Regenradar: es sollte eine feucht-fröhliche Überraschung ab etwa 18 Uhr für mich geben. Wie ich Überraschungen doch – hasse. Also nochmal richtig reingetreten um kurz vor dem Ziel doch noch richtig nass zu werden. Nach viereinhalb Stunden Fahrtzeit fuhr ich an der „Eintracht-Arena“ vor.
Das berüchtigte Barnim-Derby. Wandlitzsee vs. Grimnitzsee. Honeckers Jagdgebiet vs. Görings Jagdgebiet. Wandlitzer Seengebiet vs. Schorheide. Aber das war mir erstmal alles unwichtig – ich musste trocken werden; nicht nur hinter den Ohren. Das Vereinsheim wurde zu meiner Schutzhütte, dass mir zum Abstiegskampf in der Landesklasse Nord Tee, Soljanka und Bier bot. Der Grill blieb leider leer; die englischen Wochen stellen nicht nur Amateurfußballer, sondern auch die Grillmeister vor Probleme. Das Wandlitzer Exemplar war an diesem Werktag durch seine Werktätigkeit verhindert. Fußballerisch ist die Geschichte schnell erzählt: Die Wandlitzer Bürger können fortan aufatmen und ruhiger schlafen, während in der Schorfheide das Abstiegsgespenst weiterhin durch die Straßen geistert.
08. Mai 2026// SK Žibřidice – TJ Horní Libchava 0:1
Der tschechische Nationalfeiertag am 8. Mai lockte mit ein paar Nachmittagsspiele zu einer Groundcycling-Tour. Jedoch schwand mit jedem Grad Temperatur in der Vorhersage auch die Kilometer der geplanten Rad-Tour. Die kleine Route bot schlussendlich 65km und knapp 800 Höhenmeter. Von Zittau ging es über Luftkurort Lückendorf und Stráž pod Ralskem – wo der örtliche Stausee aufgrund von Renovierungsarbeiten leer gepumpt Aralsee-Feeling versprühte aber somit immerhin Hochwasserschutz bot – nach Žibřidice.
Die Gäste schienen zu einem Art Legendenspiel aufgerufen zu haben; bei einigen Haudegen war eine aktive Mitwirkung beim Prager Frühling nicht ausgeschlossen. Ich füllte den Kalorientank mit Klobasa und Pivo und machte mich nach dem 0:1 in der Schlussminute auf die letzten Kilometer zum Bahnhof Chotyně…